Dieser Artikel ist Teil unserer Zeitung zur Kommunalwahl 2025.
Autor*in: Feministisches Kollektiv Dortmund
Solange Frauen* strukturell ausgebeutet werden und es keine Sicherheit und Sichtbarkeit für Queers gibt, setzt sich das feministische Kollektiv in Dortmund für eine gerechtere und sicherere Zukunft für alle Geschlechter ein. Seit 2019 beteiligen wir uns unter anderem an der Organisation von Demos und Kundgebungen, planen Aktionen und Vernetzungstreffen und öffnen Gesprächs- und Begegnungsräume für Flinta*, also Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen.
Unsere Arbeit
Besonders am internationalen feministischen Kampftag am 8. März sowie am Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen (und Queers) am 25. November gehen wir gemeinsam für eine gerechtere Welt auf die Straße.
Die Aufarbeitung und das Anprangern von Femiziden sind ein zentrales Anliegen unserer Gruppe. Ein Femizid ist das Töten einer Frau aufgrund ihres Geschlechts und gilt als höchste Stufe der Gewalt – ermöglicht durch patriarchale und misogyne (frauenfeindliche) Verhältnisse. Wir gehen davon aus, dass diese Gewalt bei sexistischem Humor beginnt und durch Abwertung gegenüber Frauen und Weiblichkeit aufrechterhalten wird, weshalb wir auch vermeintlich harmlose Sprüche als erste Stufe von Gewalt ansehen. Wir erkennen außerdem die verschiedenen Unterdrückungssysteme, neben Sexismus also Rassismus, Ableismus, Klassismus, Adultismus und weitere, als ineinandergreifend und sich gegenseitig verstärkend an und schließen daraus, dass wir den Kampf gegen die Marginalisierung nur gemeinsam kämpfen können – because none of us is free until all of us are free. Das ganze Jahr über wehren wir uns also zusammen gegen die Vorstufen der extremsten Form von Gewalt gegen Flinta* und ihre Mechanismen und setzen damit rechten Narrativen feministische Vielfalt entgegen.
Die Gefahr antifeministischer Politik
Rechte Parteien verharmlosen und verstärken die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern durch ihre rückschrittigen Rollenbilder. So wollen AfD und CDU Frauen als Mutter am Herd sehen und machen entsprechende Familienpolitik, Trad Wives und Alpha Males sprechen ihnen in den sozialen Medien aus der Seele. Dass durchschnittlich verdienende Familien sich mit einem Gehalt gar nicht finanzieren können, bleibt unausgesprochen. Dass finanzielle Abhängigkeit einer Frau von ihrem Ehemann ein enormer Risikofaktor für geschlechterspezifische Gewalt ist, ebenso. Vom Recht von Frauen und Queers, sich selbst in ihrer Persönlichkeit zu entfalten statt unbezahlte Sorgearbeit wie tägliche Hausarbeit und Kinderbetreuung zu leisten, ganz zu schweigen. Gleichberechtigte Elternschaft und alternative Modelle zur konservativen heteronormativen Kleinfamilie werden durch finanzielle Benachteiligung verunmöglicht. Der Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder und ältere Menschen bleibt aus, alles soll weiterhin von Frauen getragen werden. So wird die Abhängigkeit von gewalttätigen Ehepartnern verstärkt. Sollte eine Frau es doch schaffen, sich zu trennen, werden ihr durch fehlende Möglichkeiten auf dem völlig überteuerten Wohnungsmarkt, fahrlässige und misogyne Sorgerechtsregelungen und andere Entscheidungen des Familiengerichts weitere Steine in den Weg gelegt. Schwangerschaften stellen ein erhöhtes Gewaltrisiko dar [1], ungewollte Schwangerschaften sind in sich eine Gefahr für die körperliche und psychische Unversehrtheit von Menschen mit Uterus. Der Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen wird jedoch immer schwieriger, da durchführende Ärzt*innen ihre Praxen schließen und zu wenig neue Anlaufstellen nachkommen [2]. AfD und CDU wollen diesen Versorgungslage weiter verschärft sehen und durch ihre konservative Familienpolitik die heteronormative Kleinfamilie stärken, welche die Arbeitskraft der Frauen ausbeutet und deutsche Nachkommen statt Migration als Lösung für den demografischen Wandel ermöglicht. Gleichzeitig wird das Sozial- und Gesundheitswesen kaputtgespart.
Schutzeinrichtungen wie Frauenhäuser sind überfüllt und unterfinanziert und stellen nur vorübergehend eine Zuflucht dar. Viel zu oft werden Frauen zurück in die gemeinsame Wohnung zu dem gewalttätigen Partner gedrängt, weil ihnen die Perspektiven fehlen und wirtschaftliche Gründe gegen ein eigenständiges Leben sprechen, jegliche Unterstützung bleibt aus. Das neue Gewaltschutzgesetz, das erst 2032 zu tatsächlichem höheren Schutzanspruch führen soll, ist nur unzureichend finanziert und bietet zudem keinen Schutz für trans Personen. Frauenhäuser sollten Schutzräume für alle Frauen sein; warum werden dann Frauen aus ihnen heraus abgeschoben? Laut der Frauenhausstatistik 2023 fehlen in Deutschland 21000 Plätze, um ein ausreichendes Angebot zu gewährleisten.[3]
Währenddessen tötet mindestens jeden dritten Tag ein Mann eine Frau aufgrund ihres Geschlechts. Durch die Normalisierung von antifeministischen Haltungen durch rechte Parteien und eine Verschleierung von Gewalt durch Politik und Medien sehen wir die Gefahr, dass diese Zahlen noch weiter steigen.
Die Situation in Dortmund
Seit 2024 gab es allein in Dortmund mindestens drei Femizide, die uns mit Trauer und Wut erfüllt haben. Bei Gedenkveranstaltungen konnten wir diese auf die Straße tragen. Von der Stadt fordern wir neben einem zentralen Gedenkort für geschlechterspezifische Gewalt die Ausweitung von Präventions- und Bildungsmaßnahmen insbesondere für Jungen und Männer sowie kostenfreien und unbegrenzten Zugang zu Schutzeinrichtungen für Frauen. Informationen müssen mehrsprachig zur Verfügung gestellt werden und auch Personen ohne deutschen Pass muss uneingeschränkter Schutz gewährleistet werden. In Dortmund gibt es nur ein Frauenhaus mit 32 Plätzen, es ist das größte in NRW – und es wird zu einem Drittel durch Spenden finanziert.
Was können wir gemeinsam tun?
Der antifeministischen Stimmung um uns herum setzen wir feministische Vernetzung, Kultur- und Empowermentangebote entgegen. Wir öffnen Gesprächsräume, nehmen an Diskussionsveranstaltungen teil, organisieren Lesungen und machen die Stadt bunter (siehe Bild). Räume, die ausschließlich für Flinta* offen sind, schaffen Empowerment und ein Gefühl von Gemeinschaft, um sich gegen die aktuellen politischen Entwicklungen zu stärken und zu organisieren. Einmal im Monat veranstalten wir offene feministische Treffen, bei denen wir kreativ, informativ, und im Austausch miteinander Ideen entwickeln und sichtbar werden. In der Regel finden diese Treffen an jedem zweiten Mittwoch im Monat statt. Also: Wählt feministisch und kommt zu unseren Veranstaltungen, wir freuen uns auf euch!
[1] Hedayati, „Die stille Gewalt“
[2] Soziales-zentrum.org
[3] Frauenhauskoordinierung.de