Dieser Artikel ist Teil unserer Zeitung zur Kommunalwahl 2025.
Autor*in: Die Linke Dortmund
Während rechte Narrative lauter werden, rechtsextreme Parteien Wahlerfolge feiern und Hass im Netz und auf der Straße zur Normalität zu werden scheint, passiert parallel dazu, im Schatten der Schlagzeilen, noch etwas ganz Anderes: Immer mehr junge Menschen schließen sich zusammen und mischen sich ein. Sie treten in eine Partei ein, die vor wenigen Monaten noch als abgeschrieben galt. Die Linke erlebt inmitten ihrer eigenen Krise eine Bewegung von unten. Und sie beginnt bei denen, die am meisten zu verlieren haben: der jungen Generation.
Das alles scheint kein Zufall zu sein, denn junge Menschen erleben seit vielen Jahren Krise als neuen Dauerzustand. Und trotz der unzähligen Herausforderungen stellen viele Studien eine überraschende Grundhaltung bei ihnen fest: Immer mehr verstehen die Situation nicht als lähmende Erfahrung, sondern als Gestaltungsaufforderung. Waren im Jahr 2022 noch 22 Prozent bereit, ein politisches Engagement einzugehen, sind es nun 37 Prozent (Shell Deutschland, 2024).
Und auch in der Linken spürt man diese Bereitschaft mehr als deutlich. Denn während sich die Zahl der Mitglieder in der Partei quasi verdoppelt hat, sind nun gleichzeitig fast 60 Prozent aller Mitglieder 35 Jahre oder jünger.
Zwischen Wut und Hoffnung
„Ich wollte nicht mehr nur zuschauen, wie der Hass lauter wird“, sagt Lara (23), die an der TU Dortmund studiert und seit letztem Jahr bei der Linken aktiv ist. „Irgendwann war klar: Nur Demoaufrufe auf Instagram zu teilen, reicht nicht mehr. Ich will aktiv etwas tun.“
Wie ihr geht es vielen. Nach Jahren des innerparteilichen Streits und medialer Aufmerksamkeit für Abspaltungen und Skandale hat sich Die Linke für viele politisch interessierte junge Menschen wieder als Ort positioniert, an dem man Haltung zeigen kann. Nicht, weil dort alles perfekt ist, sondern weil der Ernst der Lage keine Neutralität mehr erlaubt.
„““Der Rechtsruck macht mir Angst, aber hat mich auch mobilisiert„““, sagt Leni (36), die als Neumitglied während der Bundestagswahl mehrere hundert Haustürgespräche geführt hat. „““Es fühlt sich an wie die letzte Möglichkeit, meine und besonders die Zukunft meiner Tochter noch aktiv mitzugestalten.“
Neue Mitglieder, neue Energie
Mit dem rasanten Anstieg der Mitgliederzahlen fällt eine Sache besonders auf: Viele bringen nicht nur politisches Interesse mit, sondern auch konkrete Ideen, Energie und den Willen, sich einzubringen.
Dabei geht es nicht um Parteikarriere oder Mandate, sondern um Präsenz: Auf der Straße, in den Vierteln, im direkten Gespräch mit den Menschen. „Wir wollen zeigen, dass Politik nicht von oben kommen sollte, sondern gemeinsam mit den Menschen gemacht werden muss “, sagt Jenny (30), die seit November Parteimitglied ist und jetzt als Spitzenkandidatin für die Bezirksvertretung in Dortmund Ost kandidiert.
Viele der jungen Linken organisieren neue Arbeitsgruppen, vernetzen sich über Discord und veranstalten regelmäßig offene Treffen. Wichtiger Bestandteil der Parteiarbeit bleiben für alle Engagierten die Haustürgespräche. Besonders in Stadtteilen, in denen die Menschen sich abgehängt fühlen. Oder auch da, wo rechte Parteien ihre Hochburgen haben. Aber nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem offenen Ohr. „Alle reden. Wir hören zu. Unser Motto für die Haustürgespräche meinen wir ernst. Wir gehen nicht an die Türen, um von uns zu erzählen, was wir alles Tolles machen, sondern um zu hören, was die Menschen wirklich bewegt und was sie brauchen“, erzählt Johanna (33), Sprecherin der Haustür-AG.
Warum gerade Die Linke?
Die Antwort fällt selten dogmatisch aus. Oft ist es ein Prozess: Frustration über die soziale Spaltung, Wut über Rassismus, Sorge um den Planeten – und das Gefühl, dass andere Parteien sich den Narrativen der AfD unterwerfen und schlichtweg nicht mehr glaubwürdig sind.
„Die Linke ist nicht perfekt. Aber welche Partei ist das schon? Trotzdem prangern wir immer wieder an, was schiefläuft. Stehen ganz klar gegen Rechts, ohne Wenn und Aber und bleiben unbequem“, beschreibt Leni, die zur Kommunalwahl für den Stadtrat kandidiert.
In einer Zeit, in der die politische Kommunikation oft aus Worthülsen besteht, wirkt klare Kante wieder attraktiv. Das zeigt sich auch auf Social Media, wo Die Linke besonders dank Heidi Reichinnek immer wieder mit witzigen, provokanten und trotzdem eindeutigen Botschaften immer wieder verfängt.
Hoffnung ist eine Haltung
Natürlich reicht Engagement allein nicht, um den Rechtsruck zu stoppen. Aber es verändert die Atmosphäre. Wer sich organisiert, gewinnt Einfluss auf Diskussionen im eigenen Umfeld, auf den öffentlichen Raum und somit auf politische Entscheidungen vor Ort. Und: Man fühlt Gemeinschaft. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich solidarische Gemeinschaften zusammenschließen.
Die Linke arbeitet daran, mit anderen solidarischen Gruppen hier in Dortmund eine breite Front gegen den erstarkenden Rechtsextremismus zu bilden. Dabei geht es nicht nur um symbolische Unterstützung, wie Demo-Unterzeichnungen, sondern um konkrete Zusammenarbeit: Durch das Teilen von Ressourcen, politische Rückendeckung und öffentliche Sichtbarkeit. Die Linke nutzt ihre parlamentarische Stimme, um Forderungen der Organisationen zu stärken, etwa im Kampf gegen Rassismus, soziale Ausgrenzung und Abschiebungen. Gleichzeitig schafft Die Linke Räume, in denen zivilgesellschaftliche Akteur*innen sich vernetzen und gemeinsam Strategien entwickeln können. Denn nur durch ein starkes Bündnis auf Augenhöhe lässt sich der Rechtsruck wirksam zurückdrängen.
„Wir werden die Gesellschaft nicht von heute auf morgen drehen“, sagt Lara. „Aber wir können anfangen, unsere Zukunft zu verteidigen – jetzt! Mit klarer Haltung, mit echter Solidarität und mit verdammt viel Energie.“Denn genau das ist vielleicht die wichtigste Botschaft dieser neuen jungen Linken: Dass Hoffnung kein Gefühl ist, das man hat oder nicht hat. Sondern eine Entscheidung. Eine Haltung. Und manchmal auch: ein Mitgliedsantrag.
Zwischen rechter Verrohung und politischer Resignation wächst etwas Neues. Und wer heute das Gefühl hat, allein zu sein, mit seinen Zweifeln, seiner Wut, seiner Sehnsucht nach Gerechtigkeit – dem sei gesagt: Niemals alleine. Immer gemeinsam!