Tradwives? Nein, danke! Warum der aktuelle Rechtsruck besonders gefährlich für Mütter ist

Dieser Artikel ist Teil unserer Zeitung zur Kommunalwahl 2025.
Autor*in: Feministisches Mütterkollektiv

In Zeiten von globalen Krisen scheint es für viele Frauen attraktiv zu sein, sich ins Häusliche zurückzuziehen. Traditionelle, konservative Familienmodelle sind auf dem Vormarsch. Auf Social Media präsentieren Sauerteigbrot-backende Tradwives ihr glanzvolles und erfülltes Leben als Mutter und Ehefrau.

Doch dieses rechte Narrativ birgt große Gefahren für die körperliche Selbstbestimmung von Frauen, denn alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein Mädchen in Deutschland patriarchale Gewalt. Die finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann oder Vater ist dabei elementar. „68,6 Prozent der Tötungsdelikte werden dem Bereich der Häuslichen Gewalt zugeordnet. Das bedeutet, dass die meisten Mädchen und Frauen durch innerfamiliäre Gewalt oder Partnerschaftsgewalt getötet werden. Von Häuslicher Gewalt waren im Berichtszeitraum 2023 180.715 weibliche Opfer betroffen. Das ist eine Zunahme von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, liest sich im Lagebericht Gewalt gegen Frauen (Bundesministerium des Innern 2024). Die Dunkelziffer ist deutlich höher, da viele Fälle nicht zur Anzeige gebracht werden. Insbesondere die Lebenslage von rassifizierten Frauen, trans Personen und Sexarbeiter*innen finden oftmals keinen Platz in der Statistik.

Wie alles anfing
Schwanger und voller Tatendrang haben wir Ende 2023 das Feministische Mütterkollektiv gegründet und sind immer noch im Aufbau. Das erste Treffen im Nordpol war überwältigend, da wir nicht mit derartiger Resonanz gerechnet haben. Fast 30 (auch werdende) Mütter haben sich dort getroffen, Themen, die sie beschäftigen, gesammelt und damit den Grundstein für das Kollektiv gelegt. Ziel sollte es sein, einen feministischen Raum für Mütter zu schaffen und das Thema Care-Arbeit und Elternschaft mehr auf die linke Agenda zu bringen.

Denn leider sind auch viele linke Räume nicht gerade familienfreundlich. Dies wollten wir ändern und mehr Sichtbarkeit und Angebote für Familien schaffen und für kindgerechte Ausstattung sorgen. So nutzen wir aktuell die Räume des Sozial-Ökologischen Zentrums (SÖZ) für monatliche Treffen mit und ohne Kinder, planen dort Aktionen und Veranstaltungen, geben uns vorbereitete Inputs zu Themen wie Elterngeld, feministische Elternschaft, Moral Load usw. und haben einen Spielsachenfundus und Spielelemente im Garten aufgebaut.

Was es bedeutet
In einer Gesellschaft, in der es Frauen und besonders Mütter nie richtig machen können (Rabenmütter vs. Helikopter oder auch Heilige vs. Hure), ist es schwer, sich allein durch den Alltag zu manövrieren und dabei die eigene Überzeugung nicht zu verlieren. Unser Netzwerk stärkt uns und unsere Kinder, wir wirken der Einsamkeit und Vereinzelung entgegen und solidarisieren uns miteinander auf ganz praktische Weise, sei es bei Kaffee und Kuchen im SÖZ, bei gemeinsamen Spielplatzbesuchen, beim abendlichen Erfahrungsaustausch mit Kaltgetränk oder beim Besuch von feministischen Veranstaltungen und Demos als Gruppe mit Kindern. Viele von uns haben das Gefühl, nicht genug zu „schaffen“, weil wir aufgrund von Care-Arbeit eben nicht die sind, die in erster Reihe gegen die AfD protestieren können. Aber: Das Private ist und bleibt politisch und unsere Selbstkritik ist ein Zeichen von weiblicher Sozialisation im Patriarchat. Also nein: Wir haben schon ganz viel geschafft und werden noch viel mehr schaffen, wir werden nicht leise werden.
 
Was wird          
Unsere Vision ist eine solidarische, inklusive Gesellschaft. Wir stellen uns entschieden gegen die rechte Instrumentalisierung von Müttern – gegen ein Frauenbild, das Muttersein für nationalistische Zwecke missbraucht und uns auf die Rolle der selbstaufopfernden Hausfrau reduziert. Wir sagen: Sorgearbeit ist politisch! Wir fordern eine Gesellschaft, in der Care-Arbeit nicht länger privat und unsichtbar geleistet wird, sondern kollektiv organisiert und gerecht verteilt ist. Wir wollen Räume, in denen Begegnung, Unterstützung und Solidarität gelebt werden. Dafür kämpfen wir auch in Zukunft!
Eine feministische Politik muss von unten geschaffen werden. Was braucht es noch, damit Politiker*innen endlich wieder schmutzige Windeln abbekommen?